Wir sind nicht überzeugt von der Idee der Aufspaltung des Konzerns

Atos Global hat am 14. Juni 2022 verkündet, dass geplant und geprüft wird das Geschäft zukünftig in zwei unabhängige Unternehmen neu zu strukturieren. Vorausgegangen waren korrigierte Gewinne und abstürzende Aktienkurse. Nach Bekanntgabe dieser Pläne hatte das Unternehmen gemeldet, dass der CEO Rodolphe Belmer das Unternehmen im September 2022 verlassen wird.

Analysten und Investoren wurden daraufhin umfassend informiert, dass zwei unabhängige Atos-Teile eine bessere Zukunft hätten als Atos als Ganzes. Die Marktteilnehmer hat das offensichtlich nicht überzeugt. Binnen Wochenfrist vom 10. Juni 2022 bis zum 17. Juni 2022 verlor der bereits angeschlagene Aktienkurs der Atos-Aktie fast 40 Prozent (!) an Wert, von EUR 21,30 auf 12,86.

Erst Spekulationen in der Presse, dass gesunde Teile von Atos aufgekauft werden könnten, haben den Aktienkurs wieder kurzfristig positiv beeinflusst.

Auch wir IG Metall Gewerkschaftsmitglieder am Standort München und an den anderen Atos Standorten sind nicht überzeugt von der Aufspaltung.

Denn bereits 2021 sollte genau so etwas auf Deutschlandebene umgesetzt werden (als „Carve Out“ bezeichnet). Nach harten Verhandlungen kamen Management, IG Metall und Gesamtbetriebsrat damals gemeinsam zum Ergebnis: Es macht keinen Sinn! Doppelstrukturen, Verlust von Synergien und Cross-Selling-Optionen sowie fehlende Durchlässigkeit für Beschäftigte wären Bremsklötze auf dem Weg zur notwendigen Transformation und Sanierung.

Der alleinige Plan Atos in 2 Unternehmen aufzuteilen liefert nicht die notwendigen Veränderungen. Hierzu sind vielmehr u.a. nachhaltige Geschäftsstrategien, erfolgreiche Portfolios und darauf aufgebaute Personalplanungen erforderlich. Genau diese Verbesserungen fordern wir seit Jahren, um die lange bekannten Probleme abzustellen.

Der unverändert gültige „Tarifvertrag zur Begleitung der Neuorganisation der AIT“ vom 11. Juni 2021 bringt diese gemeinsame Erkenntnis unmissverständlich bereits in der Präambel klar zum Ausdruck:

Die Tarif- und Betriebsparteien haben sich angesichts der übereinstimmenden Auffassung bezüglich der notwendigen Transformation und Weiterentwicklung der Unternehmensstrukturen unter gleichzeitiger Beachtung auch der gegensätzlichen Positionen auf Regelungen bezüglich der Neuorganisation geeinigt. Diese sind: Die Neuorganisation der Atos IT findet ohne Ausgliederung (kein Carve Out) von Betriebsteilen aus den jetzt bestehenden Organisationseinheiten in eine andere Gesellschaftsstruktur oder andere Gesellschaften der Atos SE statt. Der Verzicht auf diese Maßnahmen der Ausgliederung stellt eine wesentliche Geschäftsgrundlage dieses Tarifvertrages dar. Der 2019 begonnene Prozess der Transformation wird fortgesetzt. Notwendige Umstrukturierungen werden sozialverträglich und unter Beachtung der Beschäftigteninteressen gestaltet. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen.“

Dieser Tarifvertrag gilt bis Ende 2023, der Ausschluss der betriebsbedingten Kündigungen sogar bis Ende 2024. Er ist von der Atos in Deutschland strikt einzuhalten!

Wir fordern das deutsche Atos Management auf, für eine transparente Information und Beteiligung der Kolleginnen und Kollegen zu sorgen. Die Betriebsräte, der Aufsichtsrat und die IG Metall sind unverzüglich und umfassend einzubinden. Eine Phase lähmender Unklarheit, wie es auf globaler Ebene und in Deutschland weitergeht, kann sich Atos angesichts der andauernden Transformation nicht leisten.

Die IG Metall und die Betriebsräte werden Euch umfassend und zügig informieren, sobald weitere Details bekannt sind.